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Spätrepublikanischer Aureus „Jahrhundertmünze“ in Hannover

von Simone Vogt

21. Juli 2016 – Seit Anfang Juli 2016 zeigt das Museum August Kestner ein seltenes Highlight aus seiner Münzsammlung: einen Aureus des Octavian und des Marc Anton aus dem Jahr 39 v. Chr.

Aureus aus dem Jahr 39 v. Chr., Museum August Kestner Hannover. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.Aureus aus dem Jahr 39 v. Chr., Museum August Kestner Hannover. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Aureus aus dem Jahr 39 v. Chr., Museum August Kestner Hannover. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Die Münze stammt also aus einer Zeit, als nach der Ermordung Julius Caesars (44 v. Chr.) große Unruhe in der römischen Republik herrschte. Marc Anton und Octavian waren noch verbündet, aber wenige Jahre später konnte sich Octavian gegen seinen einstigen Partner durchsetzen und wurde unter seinem neuen Ehrennamen „Augustus“ zum Alleinherrscher (ab 27 v. Chr.).

Selten in der Weltgeschichte haben sich historische Ereignisse so deutlich in der gleichzeitigen Münzprägung niedergeschlagen wie in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Eine kaum zu überschauende Vielfalt an Münzbildern bezeugt die vielen Bündnisse, Schlachten, erneuerten Allianzen und andere Geschehnisse. In dieses Spektrum gehört auch die genannte Goldmünze. Sie ist typisch für ihre Zeit und demonstriert die enge Verzahnung von Münz- und Weltgeschichte. Das macht sie zur „Jahrhundertmünze“.

„Die Jahrhundertmünze“ ist eine langfristig angelegte und innovative Präsentationsreihe im Museum August Kestner, die kein geringeres Ziel hat, als 27 Jahrhunderte Welt- und Geldgeschichte vor Augen zu führen: Seit April 2015 wird an einem festen und unübersehbaren Ort im Erdgeschoss des Museums vierteljährlich wechselnd eine Münze gezeigt – und ganz bewusst nur eine Münze –, die für ihre Zeit von Bedeutung oder typisch ist. Große Texttafeln erläutern prägnant und lesefreundlich die historischen Zusammenhänge, die für das Verständnis der Münze grundlegend sind.

Präsentation der Jahrhundertmünze im Museum August Kestner. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Präsentation der Jahrhundertmünze im Museum August Kestner. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Nach fünf Münzen des 6. bis 2. Jahrhunderts v. Chr. ist nun von Juli bis September 2016 das erste Jahrhundert v. Chr. mit der sechsten „Jahrhundertmünze“ an der Reihe. In knapp sieben Jahren wird die Geldgeschichte in Jahrhundertschritten vollständig sein.

Hintergrund der ungewöhnlichen Präsentationform sind die folgenden Überlegungen:
Im Museum August Kestner sind insgesamt mehr als 700 Münzen ausgestellt. Diese befinden sich in 12 Vitrinen, die ausschließlich dieser Objektgruppe gewidmet sind. Münzsammler und Numismatiker erfreuen sich daran. Die meisten Besucher aber, die das älteste Museum der Landeshauptstadt Hannover aufsuchen, interessieren sich eher für die antiken und altägyptischen Exponate.

Die museale Herausforderung besteht nun darin, auch die Menschen ohne Kenntnisse über historische Münzen für diese Objektgruppe zu gewinnen. Denn viele Besucher stehen fragend vor den großen Mengen ausgestellter Münzen: Welche dieser vielen Münze ist etwas besonders und warum? Wieso liegt ein Alltagsgegenstand wie eine Münze in großer Menge in einer Museumsvitrine, und was waren die Geldstücke wert? Die „Jahrhundertmünze“ bietet nun mit nur einer Münze die Möglichkeit, etwas über Geldgeschichte zu lernen.

Ein weiteres Ziel der Präsentationsreihe ist es, kulturhistorische Querverbindungen aufzuzeigen, wozu das Museum August Kestner aufgrund seiner weiteren Sammlungen bestens in der Lage ist. Im Zusammenhang mit dem aktuell gezeigten Aureus wird auf ein zentrales Stück der Antikensammlung des Kestner-Museums hingewiesen: ein äußerst qualitätvoll gearbeiteter Stirnziegel aus Ton, der in der Regierungszeit des Augustus entstanden ist.

Stirnziegel mit Mars und Venus, augusteisch, Museum August Kestner Hannover. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Stirnziegel mit Mars und Venus, augusteisch, Museum August Kestner Hannover. Foto: Landeshauptstadt Hannover, Museum August Kestner, Christian Tepper.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die „Jahrhundertmünze“ sehr gut ankommt. Sehr häufig steht ein lesender und betrachtender Besucher oder eine Besucherin vor der Vitrine. Wünschenswert wäre, dass diese Personen wiederkommen, um ab Oktober die siebte „Jahrhundertmünze“ zu sehen. Denn das Museum August Kestner bietet nun jedes Vierteljahr einen neuen Grund für einen Besuch und dabei etwas über Geldgeschichte und weit darüber hinaus zu lernen. Übrigens kann eine Münzgeschichte in Jahrhundertschritten auch ein wunderbares Ziel für den privaten Sammler sein.

Für ausführliche Informationen zur Ausstellung besuchen Sie das Museum August Kestner im Internet.

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