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Römisches Badegebäude in Schlögen wiederentdeckt

15. Januar 2015 – 1838 gilt als Geburtsjahr der archäologischen Forschung in Oberösterreich. In diesem Jahr fanden die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen statt – im Bereich der wunderschönen Schlögener Schlinge.

Plan des Badegebäudes (unten) und weiterer Gebäude der römischen Zivilsiedlung in Schlögen aus dem Jahr 1838 von Carl Enzlmüllner. © OÖ. Landesmuseum.

Plan des Badegebäudes (unten) und weiterer Gebäude der römischen Zivilsiedlung in Schlögen aus dem Jahr 1838 von Carl Enzlmüllner. © OÖ. Landesmuseum.

Ein eigens dafür organisierter Ausgrabungsverein, bei dem unter anderem die damalige Prominenz der Region mitwirkte, legte von 1838 bis 1840 Teile eines kleinen Militärlagers und mehrere Gebäude einer Zivilsiedlung frei. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden, bedingt durch Bautätigkeiten und meist unter Zeitdruck, mehrere Rettungsgrabungen statt. Im Jahr 2013 finanzierte die Direktion Kultur des Landes Oberösterreich im Rahmen des nach wie vor laufenden Einreichungsprozesses für ein UNESCO Welterbe „Der Donaulimes in Österreich“ großflächige geophysikalische Prospektionen. Durch diese sollte erhoben werden, ob und in welchem Zustand römische Bausubstanz die vergangenen 175 Jahre überstanden hat.

Georadarbild der römischen Zivilsiedlung von Schlögen (Tiefe 104-128 cm), in der Mitte zeichnen sich die Strukturen des Badegebäudes deutlich ab. © Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR, Marburg, 2013.

Georadarbild der römischen Zivilsiedlung von Schlögen (Tiefe 104-128 cm), in der Mitte zeichnen sich die Strukturen des Badegebäudes deutlich ab. © Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR, Marburg, 2013.

Und tatsächlich lieferte das Georadar durchaus erfreuliche Bilder: Von der Umfassungsmauer des Kastells sind noch größere Teile gut erhalten, ebenso zumindest zwei massive Gebäude der Zivilsiedlung. Ein unmittelbar neben dem neuen Donauradweg gelegenes Gebäude erregte besondere Aufmerksamkeit. Dieser auffällige 14 m lange und bis zu 6 m breite Bau mit drei aneinandergereihten Räumen und angesetzten Apsiden – halbrunden Nischen – war bereits 1838 weitgehend freigelegt worden. Und schon die damaligen Ausgräber äußerten die Vermutung, ein römisches Bad entdeckt zu haben.

Archäologische Feststellungsgrabung beim römischen Badegebäude von Schlögen im Oktober 2014. © OÖ. Landesmuseum.

Archäologische Feststellungsgrabung beim römischen Badegebäude von Schlögen im Oktober 2014. © OÖ. Landesmuseum.

Von 6. bis 15. Oktober 2014 wurde unter der Leitung von Dr. Stefan Traxler (Oberösterreichisches Landesmuseum) und Mag. Wolfgang Klimesch (Firma Archeonova) ein Teilbereich dieses Gebäudes ausgegraben. Die Hoffnungen haben sich bestätigt: Das römische Badegebäude in Schlögen hat auch die vergangenen 175 Jahre recht gut überstanden und sein Grundriss kann bereits weitgehend rekonstruiert werden. Der gute Erhaltungszustand und die Lage an der Schlögener Schlinge, unmittelbar am Donauradweg und im Bereich der Freizeitanlage Schlögen, deren Besitzer und Betreiber das Projekt dankenswerter Weise genehmigt haben, lassen jedoch noch mehr erhoffen. In den kommenden Wochen wird ein Konzept für eine vollständige Freilegung und eine museale Präsentation des Bauwerkes im Rahmen der Oberösterreichischen Landesausstellung 2018, die dem Thema Römer am Donaulimes gewidmet sein wird, erarbeitet.

Einen Vortrag von Dr. Stefan Traxler über die archäologischen Forschungen in Schlögen von 1838 bis 2013 können Sie hier als PDF herunterladen.

Und in diesem Wikipedia-Artikel finden Sie Beschreibungen und Bilder zur obengenannten Region des Fundorts, der Schlögener Schlinge.

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