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MenschenGesichter Teil 40: Die Königin der Piraten

von Ursula Kampmann
mit freundlicher Genehmigung des MoneyMuseum, Zürich

Warum galt der Kopf jahrhunderte-, nein, jahrtausendelang als das Motiv einer Münzseite schlechthin? Und warum hat sich dies in den letzten 200 Jahren geändert? Das fragt Ursula Kampmann in ihrem Buch „MenschenGesichter“, dem die Texte unserer Serie entnommen sind.

Elisabeth I., Königin von England (1558-1603). Shilling, 1591-1595. Gekrönte Büste Elisabeths n. l. Rs. Wappen auf langem Kreuz. © MoneyMuseum, Zürich.Elisabeth I., Königin von England (1558-1603). Shilling, 1591-1595. Gekrönte Büste Elisabeths n. l. Rs. Wappen auf langem Kreuz. © MoneyMuseum, Zürich.

Elisabeth I., Königin von England (1558-1603). Shilling, 1591-1595. Gekrönte Büste Elisabeths n. l. Rs. Wappen auf langem Kreuz. © MoneyMuseum, Zürich.

Elisabeth I. herrschte über ein Land, das die kontinentalen Zeitgenossen als ziemlich unterentwickelt empfanden. Gerade in der Waffenproduktion blieb es weit hinter den Zentren in Flandern und Brabant, in Augsburg und Nürnberg zurück. Dies lag daran, dass in England kaum noch Kupfer oder Zinn abgebaut wurde. Eisen dagegen war im Überfluss vorhanden. Doch der Eisenguss steckte damals in den Kinderschuhen, und die ersten Kanonen, die in Sussex mit besonderer Förderung Heinrichs VIII. aus Gusseisen hergestellt wurden, machten zunächst keinen besonders Vertrauen erweckenden Eindruck. Sie entwickelten sich aber während der Herrschaft Elisabeths zu einem Exportschlager. Zwar sollten sie nie die Qualität der bronzenen Geschütze erreichen, aber hinsichtlich Preis und niedrigem Gewicht waren sie unschlagbar.

Krönungsporträt von Elisabeth I. Quelle: Wikicommons.

Krönungsporträt von Elisabeth I. Quelle: Wikicommons.

Die Ersten, die sich diese neue Errungenschaft zu Nutze machten, waren nach Amerika fahrende Händler und Abenteurer. Eigentlich hatten die Spanier das Betreten „ihrer“ Kolonien ja verboten. Aber schließlich waren sie sowieso Feinde, noch dazu katholisch, und so sahen die englischen Kapitäne kein Verbrechen darin, neben dem eigentlich beabsichtigten Handel noch ein wenig Plünderung und Raub zu betreiben. Offiziell wusste die Königin von solchen Unternehmungen natürlich gar nichts. Inoffiziell beteiligte sie sich an der Finanzierung solcher Fahrten.

Zwei Dinge machten die Piraten im Dienst der Königin unwiderstehlich: zum einen die überdurchschnittlich große Mannschaft, der die spanischen Handelstransporter im Falle des Enterns nichts entgegenzusetzen hatten, zum anderen die zahlreichen Eisenkanonen auf den englischen Schiffen, deren Feuerkraft den Waffen der Spanier weit überlegen war.

Levinus Hulsius, Kaperung der Cacafuego. Kupferstich, 1626. Quelle: Wikicommons.

Levinus Hulsius, Kaperung der Cacafuego. Kupferstich, 1626. Quelle: Wikicommons.

Der erfolgreichste Freibeuter seiner Zeit wurde Sir Francis Drake. Er kehrte 1580 von seiner Weltumsegelung mit einem Vermögen von 600.000 Pfund an Bord zurück. Er hatte ohne allzu großen Widerstand ein spanisches Schatzschiff geentert, dessen Name „Cacafuego“ eigentlich für seine große Feuerkraft hätte stehen sollen. Die Ladung des „Feuerspeiers“ bestand aus 13 Kisten mit Silbermünzen, 26 Tonnen Silberbarren, 72 Pfund Gold sowie Juwelen und Perlen.

Dieser Schatz beeindruckte die ständig unter Geldknappheit leidende Königin Elisabeth. Sie erhielt die Hälfte des Erlöses als ihren Anteil am Gewinn, beteuerte gegenüber dem spanischen Botschafter ihre Unschuld und adelte Francis Drake, der später bei der Abwehr der spanischen Armada ewigen Ruhm in England gewinnen sollte.

In der nächsten Folge reisen wir nach Deutschland, wo auch die Stadt Augsburg in Folge des Dreißigjährigen Krieges in schwere Geldnöte geriet.

Alle Teile der Reihe finden Sie hier.

Das Buch „MenschenGesichter“ gibt es in gedruckter Form und als ebook auf der Seite des Conzett Verlages.

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