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Magnus Maximus oder die letzten Römer in Britannien

von Björn Schöpe
mit freundlicher Genehmigung von Barbara Balz / World Money Fair

Gebieterisch thront Roma auf der Rückseite dieser kleinen Silbermünze mit einem Globus zum Zeichen der Weltherrschaft und dem Speer, der diesen Anspruch auch durchsetzen soll. Doch der Schein des blinkenden Silbers täuscht darüber hinweg, dass diese attraktive Münze eine der letzten ihrer Art im hohen Norden war. Um 400 n. Chr. löste sich Britannien vom römischen Reich; die Währung der Besatzer wich der Naturalwirtschaft. Roms Anspruch auf die Weltherrschaft wurde mehr denn je zur Illusion.

Magnus Maximus (383-388). Siliqua, Trier, 383-388. Drapierte Büste mit Perldiadem. Rv. Roma mit Globus und Speer. RIC 84b. Aus Auktion Künker 115 (2006), 856.

Magnus Maximus (383-388). Siliqua, Trier, 383-388. Drapierte Büste mit Perldiadem. Rv. Roma mit Globus und Speer. RIC 84b. Aus Auktion Künker 115 (2006), 856.

Der auf der Vorderseite entschlossen dreinschauende Usurpator Magnus Maximus erlebte eine ungewöhnliche Karriere: Als römischer Kaiser Macsen Wledig fand er Eingang in die walisische Mythologie. Der Sage nach eroberte Wledig Britannien, um eine Waliserprinzessin zu ehelichen. Als sich in Rom ein Usurpator gegen ihn erhob, zog er los und vernichtete mühelos seinen Gegner.

Die Wirklichkeit sah anders aus: Magnus Maximus, Oberbefehlshaber der römischen Truppen in Britannien, war selbst ein Usurpator. Seit jeher war nämlich die Insel ein Sorgenkind der Kaiser. Am äußersten Rand gelegen musste die Provinz, deren schottischen Nordteil die Römer nie kontrollierten, militärisch gut abgesichert werden, damit die Bewohner sich nicht vom Imperium Romanum lossagten. Diese Konzentration von Militär jedoch verlockte die Statthalter in der Spätantike immer wieder, sich gegen das weit entfernte und zunehmend geschwächte Rom aufzulehnen.

Magnus Maximus hatte allerdings große Mühe, seinen Machtanspruch außerhalb Britanniens durchzusetzen. Seine Soldaten riefen ihn im Jahr 383 n. Chr. zum neuen Kaiser aus, doch sogleich sah er sich gezwungen, mit dem Großteil der Besatzungsarmee auf den Kontinent zu ziehen, wo er die nächsten Jahre damit zubrachte, seinen Konkurrenten die Stirn zu bieten. 388 starb der Usurpator Maximus durch die Hand seiner eigenen Soldaten auf dem Festland.

Stilicho (re.) mit seiner Frau Serena und Sohn Eucherius (li.) auf einem Elfenbein-Diptychon. Replik Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz. Original um 395 n. Chr., heute in Monza. Quelle: Wikipedia.

Stilicho (re.) mit seiner Frau Serena und Sohn Eucherius (li.) auf einem Elfenbein-Diptychon. Replik Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz. Original um 395 n. Chr., heute in Monza. Quelle: Wikipedia.

In Britannien aber nahm der Einfluss Roms unumkehrbar ab; die Entwicklung der Städte stagnierte; immer häufiger lebten die Menschen wieder wie einst ihre freien Vorfahren in vorrömischer Zeit. 398 setzte der Feldherr Stilicho noch ein letztes Mal mit einem Heer über, um die Stämme der Pikten und Skoten, die aus Schottland in den Süden drangen, zurückzuwerfen. Doch das war nur ein letztes Aufbäumen: Um 410 zogen die verbliebenen Soldaten fast alle wieder ab; andernorts wurden sie dringender gebraucht. Mit ihnen verschwanden auch die römischen Münzen von der Insel. Doch bevor sich stabile Königreiche etablierten, musste das Land erst noch eine harte Zeit durchstehen, die „Dunklen Jahrhunderte“.

Dieser Artikel entstand für den Katalog der World Money Fair 2012 mit dem Ehrengast Großbritannien. Mehr zur World Money Fair 2012 finden Sie hier.

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