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Heinrich VII. – Begründer der Tudor-Dynastie

von Björn Schöpe
mit freundlicher Genehmigung von Barbara Balz / World Money Fair

Das Parlament sollte entscheiden, ob der neue König auch legitimiert sei. 1485 hatte Heinrich VII. auf dem Schlachtfeld die langen Rivalitäten im Land für sich entschieden. Der Anfrage an die Adligen war bereits die Krönung vorausgegangen und die Hinrichtung aller seiner Gegner als Hochverräter. Doch er überließ den Adligen die rechtliche Klärung seiner Stellung. Das Parlament entschied in der Tat weise: Da Heinrich auf dem Thron Englands sitze, sei er der richtige König.

Heinrich VII. (1485-1509). Angel, London, o. J. (1495-1498). Seaby 2181. Aus Auktion Künker 191 (2011), 5170.

Heinrich VII. (1485-1509). Angel, London, o. J. (1495-1498). Seaby 2181. Aus Auktion Künker 191 (2011), 5170.

Heinrich hatte militärisch und mit Brutalität die Machtfrage im Adel geklärt. Danach allerdings bemühte er sich um eine dauerhafte Versöhnung. Mütterlicherseits entstammte er dem Hause Lancaster, das von Eduard III. abstammte – ebenso wie das Haus York. In den „Rosenkriegen“ (beide Familien führten eine Rose im Wappen) hatten diese Geschlechter jahrzehntelang erbittert um die Krone gekämpft. Damals kam eine neue Münze auf, die zwei Jahrhunderte lang in Gebrauch bleiben sollte: der „Angel“, die „Engelsmünze“, so benannt nach der Darstellung des heiligen Michael auf der Vorderseite.

Doppelporträt von Elisabeth von York und Heinrich VII., von Sarah Malden, Countess of Essex (um 1761-1838). Aus: Lucy Aikin's Memoirs of the Court of Queen Elizabeth, um 1825. Quelle: Wikipedia.

Doppelporträt von Elisabeth von York und Heinrich VII., von Sarah Malden, Countess of Essex (um 1761-1838). Aus: Lucy Aikin's Memoirs of the Court of Queen Elizabeth, um 1825. Quelle: Wikipedia.

Um die alte Feindschaft zu beenden, nahm Heinrich Elisabeth von York zur Frau und vereinigte so die beiden Sippen, sichtbar in einem neuen Wappen mit der weißen Rose der Yorks und der roten Rose der Lancasters. Die Heirat fand allerdings erst im folgenden Jahr statt: Niemand sollte denken, Heinrich verdanke die Krone seiner Frau!

Nach den blutigen Anfängen konnte der neue Herrscher sich ganz auf die Regierung seines Landes konzentrieren. Es zeigte sich, dass Heinrich ein begnadeter Finanzjongleur war. Kein anderer englischer König vertiefte sich so in die Materie. Er kontrollierte die Bücher und seine eigenen Finanzexperten: Noch das letzte Quäntchen Ertrag schlug er aus seinen Besitzungen heraus. Damit konnte er ein Grundproblem seiner Vorgänger lösen: Er war finanziell weniger abhängig von Adel und Parlament. Hätten ihm Vasallen den Gehorsam verweigert, hätte Heinrich Söldner anheuern und sich durchsetzen können. Seine Kreativität im Bereich des Finanzwesens ließ bei seinem Tod 1509 so manchen aufatmen …

Erstmals seit über 100 Jahren konnte ein König mit seinem Ableben die Krone unangefochten an den Sohn übergeben und somit eine neue Dynastie dauerhaft etablieren. Sie nannte sich nach Heinrichs Abstammung väterlicherseits: die Tudors.

Dieser Artikel entstand für den Katalog der World Money Fair 2012 mit dem Ehrengast Großbritannien. Mehr zur World Money Fair 2012 lesen Sie hier.

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