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Geschenke der Kaiser

von Claire Franklin

Als Constantin der Große in York in Britannien im Jahr 306 n. Chr. zum Kaiser ernannt wurde, wurde er Herrscher eines Reiches, das sich von Spanien und Nordafrika bis nach Syrien und im Norden bis zur Grenze Schottlands erstreckte – eines riesigen Gebietes, bewohnt von hunderten unterschiedlicher Volksstämme und allen sozialen Schichten. Trotz des „romanisierten“ Lebensstils, den die Bürger in vielen Provinzen seit langem hatten, war die politische Kontrolle solch eines Reiches nur möglich, wenn man sich auf ein großes Heer verlassen konnte. Das Militär musste loyal zum Kaiser stehen. 

Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 119.Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 119.

Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 119.

Wie sichert sich der Kaiser die Loyalität seines Heeres?

Das Problem, wie man sich die Unterstützung der Armee sichern konnte, hatte die politischen Führer Roms seit den Tagen der Republik beschäftigt, und seit den frühesten Zeiten hatten sich die Machthaber auf die Wirkung von regelmäßigen Bonuszahlungen und Geschenken verlassen, um ihre Untergebenen loyal zu stimmen. Seit alten Zeiten gab es in Rom ein System von Schutzherr und Schützling, in dem Aristokraten ihre Gefolgsleute geringeren Ranges finanziell oder politisch oder auf andere Weise unterstützten, und dafür von ihnen Loyalität und bestimmte Dienste erwarteten. Weite Teile der römischen Gesellschaft waren von solchen Beziehungen abhängig. Geschenke spielten dabei eine große Rolle, und auch der Kaiser war ein Teil dieses Systems. 

In der römischen Republik war es üblich, Soldaten am Ende ihrer militärischen Laufbahn mit einem Stück Land zu belohnen. Aber dann wurde die Armee so groß, dass es nicht mehr möglich war, jedem Soldaten ein Stück Land zu geben. Stattdessen wurden Veteranen mit einem Geldbetrag in den Ruhestand geschickt. Geschenke des Kaisers im Tausch für Loyalität waren ein Teil des römischen Kaiserreiches von Beginn an – Augustus verteilte Geldgeschenke im Jahr 8 v. Chr. bei der Feier zum Militäreintritt seines Enkels Gaius, und er hinterließ eine Geldsumme, mit der nach seinem Tod die Nachfolge des Tiberius erleichtert werden sollte. Das so genannte Donativum entwickelte sich bald zu einem als selbstverständlich erwarteten Teil des Machtwechsels am Beginn der Regierung eines Kaisers.  

Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 120.Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 120.

Constantius II. Caesar, 317-337. Miliarense, Sirmium. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 120.

Das Donativ für den Soldaten

Die römischen Schriftsteller Tacitus und Suetonius unterscheiden zwischen dem Donativum, einem Geschenk an die Soldaten, und dem Congiarium, einer Verteilung von Geld an Zivilisten („donativum militi, congiarium plebei“, Tac. Annales XII,41; „… populo congiarium, militi donativum“, Suet. Nero, VII,6). Pierre Bastien vermutete, dass damit die Ankunft des Kaisers an einem bestimmten Ort gefeiert wurde, oder ein besonderes Datum wie z. B. ein Geburtstag, der Beginn eines Konsulats oder ein fünfter Jahrestag, ein Sieg, oder der Jahrestag der Gründung einer Stadt wie Rom oder Konstantinopel. Bei den hier vorgestellten Miliarense aus der Sammlung von Markus Weder, die unter Constantin dem Großen und Constantin II. Caesar in Sirmium geprägt wurden, ist nicht klar, ob ein Soldat oder ein Zivilist als Empfänger vorgesehen war, obwohl die Abbildung des Kaisers in militärischer Kleidung zwischen seinen beiden Söhnen auf ein Geschenk an Soldaten hinweisen könnte. Es ist auch unsicher, in welchem Zusammenhang sie geprägt und verteilt wurden, aber es war vermutlich ein Anlass, der mit dem kaiserlichen Haushalt zusammenhing, da der Kaiser und seine Söhne auf den Stücken im Vordergrund stehen. Möglicher Anlass könnte die Feier des 6. Konsulats von Constantin I. und seiner Quindecennalien sowie des 1. Konsulats von Constantin II. im Jahr 320 sein. 

Der Miliarense

Der Miliarense war ein großes Silbernominal, das von Constantin nach mehr als der Hälfte seiner Regierungszeit im 4. Jahrhundert eingeführt wurde, die erste Silbermünze seit der Tetrarchie. Wahrscheinlich lief er nicht mit dem alltäglichen Münzgeld um, denn er war wesentlich mehr wert als die Bronzemünzen, die damals die Masse des umlaufenden Geldes ausmachten. Solche Silberstücke wurden von ihren Besitzern wohl als Souvenirs aufgehoben, zur Erinnerung an ihren treuen Dienst, und eher als eine Art Medaille angesehen. 

Lot von Miliarense-Buchstücken. März 317, Sirmium. Die Büsten von Constantinus I. bzw. Constantinus II. Caesar. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 1047.
Lot von Miliarense-Buchstücken. März 317, Sirmium. Die Büsten von Constantinus I. bzw. Constantinus II. Caesar. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 1047.

Lot von Miliarense-Buchstücken. März 317, Sirmium. Die Büsten von Constantinus I. bzw. Constantinus II. Caesar. Aus Auktion Münzen & Medaillen 45 (9. Juni 2017), Nr. 1047.

Seltene Miliarense aus der Sammlung Weder

Die hier vorgestellten beiden Münzen wurden im Namen Constantinus II. Caesar in Sirmium geprägt, im heutigen Serbien. Während der Tetrarchie war Sirmium eine der vier Hauptstädte des Reiches und die Hauptstadt der Präfektur Illyricum, eines der wichtigsten Militärzentren der Zeit und eine der größeren Münzstätten mit guten Verbindungen zu den Silberbergwerken der Dinarischen Alpen. Die Münzen bilden den jungen Caesar Constantinus (der, 316 oder 317 geboren, zu dieser Zeit noch ein sehr kleines Kind war) als einen Militärführer ab mit Harnisch und Drapierung über der linken Schulter und einem Lorbeerkranz, und auf der Rückseite als einen mit einem Speer bewaffneten Jugendlichen unter einem Architekturbogen neben seinem Vater Constantin dem Großen und seinem Bruder Crispus (geboren etwa 300 n. Chr.). Das Gruppenbild war ein starkes Symbol der Einigkeit der Familie und bestätigt Constantins Bemühungen um eine Familiendynastie, die Diocletians Konzept einer Tetrarchie ersetzen sollte. Die Tetrarchie war ein revolutionärer Versuch gewesen, das Problem rivalisierender Familienmitglieder zu lösen, die gegeneinander um die Macht kämpften, aber sie hatte sich als erfolglos herausgestellt. Miliarense wie diese sind selten. Nur wenige Stücke sind bekannt. Die hier vorgestellten stammen aus der Sammlung des im vorigen Jahr verstorbenen Markus Weder, eines Kenners der Münzen der römischen Kaiserzeit. Sie werden neben anderen Münzen am 9. Juni in Auktion 45 der Münzen & Medaillen GmbH in Weil am Rhein versteigert.

Mehr zur Auktion Münzen & Medaillen finden Sie in deren Auktionsvorbericht.

Und hier kommen Sie direkt zum Auktionskatalog auf Sixbid.

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