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Ein Mann aus Eisen: Oliver Cromwell

von Björn Schöpe
mit freundlicher Genehmigung von Barbara Balz / World Money Fair

Eine gespenstische Stille breitet sich aus, als am 30. Januar 1649 das abgeschlagene Haupt König Karls I. vor seinem Palast der Menge entgegengestreckt wird. Zwölf Jahre später gräbt man die Leiche des „Königsmörders“ Oliver Cromwell aus und stellt seinen Kopf am selben Ort aus. In den Jahren dazwischen tränkte Cromwell den Boden der Inseln mit Blut. Der Versuch, eine Republik zu errichten, war gescheitert, und 1660 knüpfte Karl II. nahtlos an, wo sein Vater geendet hatte.

Oliver Cromwell (Lordprotector 1653-1658). Crown, London, 1658, London. Seaby 3226. Aus Auktion Künker 184 (2011), 5441.

Oliver Cromwell (Lordprotector 1653-1658). Crown, London, 1658, London. Seaby 3226. Aus Auktion Künker 184 (2011), 5441.

Betrachtet man die Silbermünze Cromwells, so fragt man sich: Was war das für eine Republik, die solches Geld prägte? Auf der Vorderseite blickt Cromwell starr wie ein römischer Kaiser mit Lorbeerkranz und Feldherrenmantel; die Rückseite zieren die vereinigten Wappen der britischen Reiche England, Irland und Schottland – aber über ihnen sitzt demonstrativ eine Krone. Die Umschrift lautet programmatisch: „Den Frieden erwirbt man durch Krieg“.

Unter Karl I. war das sensible Machtgleichgewicht zwischen König und Parlament gestört worden. Beide Seiten sahen sich als die Hüter der Freiheit aller Engländer und die gegnerische Partei als Rechtsbrecher. In einem Bürgerkrieg besiegten die Parlamentarier mit ihrer modernen Armee die Royalisten. Oliver Cromwell zeichnete sich damals als hervorragender Kommandeur der Kavallerie aus. Er war es auch, der neben anderen in dem sogenannten Rumpfparlament, aus dem alle Royalisten entfernt worden waren, Karls Hinrichtung betrieb und die britischen Inseln als republikanischen „Commenwealth“ in die Zukunft führen wollte.

Oliver Cromwell löst das Parlament auf, 1653. Andrew Gow, 1907. Quelle: Wikipedia.

Oliver Cromwell löst das Parlament auf, 1653. Andrew Gow, 1907. Quelle: Wikipedia.

Zunächst galt es, Aufstände in Irland niederzuschlagen. Cromwell erledigte diese Aufgabe mit gewohnter Effizienz. Mit Massakern und Massenhinrichtungen schrieb er sich in das irische Gedächtnis ein. Anschließend „befriedete“ er auch Schottland. Inzwischen machte sich aber das Parlament mit seinen Entscheidungen zunehmend unbeliebt beim Volk, und Cromwell löste es gewaltsam auf. Nach einem zweiten, gescheiterten Versuch folgte er 1653 einem Vorschlag der Armee: Der Republikaner begründete ein Protektorat mit festgeschriebenen Regeln und Abgeordneten, das allerdings bei seinem eigenen Parlament auf Ablehnung stieß. Noch bis 1658 gelang es Cromwell, zwischen Armee und Parlament zu vermitteln und das neue Konstrukt am Leben zu erhalten. Wie ein Monarch bestimmte er seinen Sohn zum Nachfolger. Dieser vermochte jedoch nicht in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Karl II. kehrte aus dem Exil in Frankreich zurück und wurde mit offenen Armen empfangen: England hatte seine Monarchie zurück.

Dieser Artikel entstand für den Katalog der World Money Fair 2012 mit dem Ehrengast Großbritannien. Mehr zur World Money Fair 2012 lesen Sie hier.

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