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Die Leistungsfähigkeit der Soho Mint

von William McKivor
übersetzt von Björn Schöpe

Vor kurzem wurde auf diesen Seiten eine Diskussion über Schenkungen an Museen geführt, und über die Probleme, die Museen mit fehlendem Geld und Ausstellungsraum haben, sowie beim Anstellen und Weiterfinanzieren von Kuratoren. Da ich derjenige war, der aufforderte, sich gut zu überlegen, was man tut, bevor man all seine Stücke einem Museum überlässt, muss ich ein paar Dinge klarstellen. Als ich die Antworten auf meinen Brief las, stimmte ich im Großen und Ganzen überein mit dem Herrn des Jüdischen Museums und mit dem Sammler, die für ihre Sammlungen einen perfekten Ort gefunden haben. Natürlich, klar, wenn das Museum paßt, so wie sie es geschrieben haben, dann schenken Sie Ihre Münzen dort hin!! Ich dachte selbstverständlich an keine andere Art von Museum, als an ein numismatisches, oder zumindest eines mit einer guten numismatischen Abteilung. Alle Kuratoren, mit denen ich befreundet bin, sind in solchen Museen tätig, was ihre Empfehlungen für mich um so wertvoller macht.

Ich wurde daraufhin aufgefordert, ein Stück aus meiner Sammlung mit den Lesern der Münzenwoche zu teilen, was zu einer Woche heftiger Debatten führte. Ich entschied dann, dass von allen Stücken in meinem Besitz, die von den Eigentümern und Gründern der Soho Mint, der Münzstätte von Soho, stammen, das meiner Ansicht nach wichtigste eine Medaille ist. Das abgebildete Stück war im Besitz von Matthew Boulton und wurde von ihm aufbewahrt.

Diese Medaille wurde 1803 in der Soho Mint geprägt, während einer Auseinandersetzung, die in drei Ländern, auf drei Sprachen und zwei Medaillen ausgetragen wurde!! Auf der Vorderseite ist ein Porträt von Matthew Boulton, einem der Vorreiter der Industriellen Revolution. Er und sein Partner, der Ingenieur James Watt, hatten über viele Jahre hinweg daran gearbeitet, die Dampfmaschine zu perfektionieren. 1785 arbeiteten einzelne ihrer Maschinen in Minen von Cornwall bis Schottland, und brachten ihre Erfinder auf den Markt. Die Früchte ihrer Arbeit gewannen sie, als die Dampfmaschinen an Strickmaschinen, Fräsen oder sogar eine Münzpresse gekoppelt wurden.

Die Soho Mint von Francis Eginton, 1773. British Museum, London. Quelle: Wikipedia.

Die Soho Mint von Francis Eginton, 1773. British Museum, London. Quelle: Wikipedia.

Boulton errichtete eine Münzprägeanstalt auf einem Gelände aus dem gemeinsamen Besitz. Die neue Prägeanstalt wurde Soho Mint genannt. Abgeschlossen wurde der Bau 1789 und Boulton wollte Münzen für die ganze Welt prägen, zunächst aber für England. Er wollte auch die Verbreitung von Falschgeld verringern, das damals bis zu 50 % aller im Umlauf befindlichen Münzen ausmachte.
Während er mit der neuen dampfbetriebenen Münzstätte experimentierte, bemühte er sich um andere Aufträge. Als erstes wurden kupferne Token geprägt, höchst wahrscheinlich für die Cronebane Minen, vielleicht aber auch für Charles Rowe von den Macclesfield Minen. Von beiden bekam er einen Auftrag und man sandte ihm die Schrötlinge zu. Man musste sie ohne Prägering prägen, da es noch keinen Prägering gab, der sie von alleine ausgeworfen hätte; dies verlangsamte den Herstellungsprozess.

In Anbetracht dieses Problems engagierte Boulton einen Ingenieur aus Frankreich, einen gewissen J. P. Droz, der ihm eine mehrstufige Prägemaschine mit einem Prägering, der die Münzen auswarf, vorführte, die, nun ja, noch nicht wirklich perfekt war, aber wenn sie das erst wäre, so versicherte ihm Droz, dann hätte Boulton seinen Prägering mit automatischem Münzauswurf. Droz stellte sich außerdem als weltweit bester Graveur und Stempelschneider vor und vertrat die Ansicht, dass seine neue Presse mit dem Prägering die Münzprägung vollkommen verändern würde. Boulton stellte ihn an.
Versprechen waren alles, was Boulton je von ihm erhielt. Die Spezialpresse und der Prägering waren immer „fast fertig“, aber doch nie vollendet; die Stempel waren hervorragend geschnitten, wenn man ihn denn dazu bekam, sie anzufertigen – so dass Boulton die Zusammenarbeit schließlich beendete, Droz für die nie gelieferte Arbeit auszahlte und wegschickte.
Droz fand einen neuen Wirkungsort an der Pariser Münzstätte, wo er sich einen so guten Ruf erarbeitete, wie er in England einen schlechten hatte.

1803 stellte Droz eine Probeprägung für Spanien her in der Hoffnung, von Spanien einen Prägeauftrag für die Pariser Münzstätte zu erhalten. Auf dieser Probe führte er eine Menge Dinge auf, die Boulton getan hatte und gab sie für seine eigenen aus, darunter den selbstauswerfenden Prägering. Er sagte, dass jeder andere, der dies für sich in Anspruch nahm, ein Betrüger sei. All das stand auf einer Probeprägung für eine Münze oder Medaille in Französisch und auf einer in Spanisch. Boulton erfuhr davon.

Boulton antwortete darauf umgehend auf Französisch auf einer in der Soho Mint geprägten Medaille. Oben abgebildet kann man die Angaben lesen zu der benutzten Maschine, der genutzten Geschwindigkeit und der Anzahl von Münzen, die produziert werden können. Der französische Text – Boulton plante, Exemplare davon nach Frankreich zu senden, um die Ansprüche von J. P. Droz anzufechten – lautet: „1788 machte M. Boulton, Soho, England, eine Dampfmaschine für die Münzprägung, und 1798 ein verbessertes Exemplar. Beide Maschinen können von Kindern mit Leichtigkeit bedient und die Geschwindigkeit an die Bedürfnisse angepasst werden. Die Kreise zeigen die Durchmesser der Stücke, und die Zeichen die Anzahl von Münzen, die pro Minute geprägt werden können.“ Das setzte einen Zeitpunkt, von dem ab die dampfbetriebene Münzprägung beginnen musste, die Zahlen konnten nur mit einem selbstauswerfenden Prägering erreicht werden.

Ein Brief von einem Arbeiter in der Prägestätte an Boulton, der sich in London aufhielt, berichtet davon, dass kurz vor 16 Uhr am zweiten Dienstag im Oktober 1790 der Prägering endlich funktionierte und eingesetzt wurde. Diese Erfindung alleine leitet die moderne Münzprägung ein. Kein Bediener der Maschine, kein Helfer riskierte mehr seinen Finger, wenn er die frischgeprägte Münze herausnahm – der neue Ring erlaubte eine höhere Prägegeschwindigkeit, die die Dampfmaschine ermöglichte.
Die Firma von Boulton und Watt prägte nicht nur Geld für andere Länder, Handelsmarken und Medaillen, sondern stellte auch Dampfmaschinen für alle Wirtschaftszweige her und lieferte sogar komplette Prägeanstalten!! Sie bauten komplette Prägeanstalten für Russland, Dänemark, Indien, Mexiko, Bolivien und sogar, endlich, eine neue Königliche Münzstätte in England.
Ein Land musste ohne auskommen, das waren die USA. Durch den Krieg wurden 1812 die Vertragsverhandlungen beendet, und die Vereinigten Staaten erhielten ihre erste von einer Dampfmaschine betriebene Münzprägeanstalt erst im Jahr 1836. In den frühen 1800er Jahren waren Boulton und Watt auf die eine oder andere Weise für fast die Hälfte der weltweiten Münzprägung verantwortlich. Wenn man also sagt, dass sie den Erfolg bei der Münzprägung erlangten, den sie gesucht hatten, so ist das zutreffend, allerdings war es – aus ihrer Sicht – ein sehr schwieriger Weg bis dorthin gewesen.

Matthew Boulton (1792), von Carl Frederik von Breda. Quelle: Wikipedia.

Matthew Boulton (1792), von Carl Frederik von Breda. Quelle: Wikipedia.

In meiner Sammlung befinden sich viele Medaillen, Wertmarken und Münzen, die zwischen 1789 und der späten Soho Phase in den 1820ern in der Soho Mint geprägt wurden und sich im Besitz der Eigentümer der Prägeanstalt befunden hatten. Viele von ihnen haben Kupferbehälter, viele sind in Papier eingeschlagen, das von den Prägestättenbesitzern beschriftet ist, oder in manchen Fällen von einem Sekretär; alle diese Stücke waren beiseite gelegt worden, weil sie im Besitz der Familien bleiben sollten.
James Watt, Jr, war der einzige echte Sammler der vier Eigentümer, Boulton, Watt, und der anderen beiden Söhne, Matthew Robinson Boulton und James Watt Jr. Bei Morton and Eden in London wurden solche Familienstücke am 14. November 2002 verkauft.

Das neue Gebäude der Birmingham Mint, ehemals Soho Mint. Foto: Oosoom/ Wikipedia.

Das neue Gebäude der Birmingham Mint, ehemals Soho Mint. Foto: Oosoom/ Wikipedia.

Das Material aus dem Besitz der Familie Boulton wurden von dem Londoner Antiquitätenhändler Tim Millett aufbewahrt; und über die Auktion und in Verhandlungen mit Tim konnte ich einiges aus dem Besitz der Boultons erstehen, auch ein paar Stücke von den Watts.
Boulton und Watt befanden sich auf dem Höhepunkt der Industriellen Revolution und am Beginn der modernen Münzprägung. Vor über 200 Jahren wurden sie hoch geachtet, und das werden sie auch heute noch. Ich hatte großes Glück, dass ich eine so schöne Sammlung von Stücken zusammenbekam, die sich einmal im Besitz dieser beiden Familien befunden hatten.

Ich möchte diese Stücke gerne mit den Lesern dieser Zeilen teilen auf www.thecoppercorner.com – klicken Sie auf die Seite zu Boulton und Watt, um eine kleine geschichtliche Einleitung zu lesen und viele der Stücke aus meiner Sammlung zu sehen.

Weiterführende Literatur:

  • Richard Doty, The Soho Mint and the Industrialization of Money, Smithsonian Institution, British Numismatic Society, Spink, London 1998.
  • George Selgin, Good Money – Birmingham Button Makers, the Royal Mint, and the beginnings of Modern Coinage, Independent Institute, 2008. Soft cover, 2011.

Benutzte Literatur:

  • The Token Coinage of Warwickshire, W. J. Davis, Birmingham, 1895.
  • The Soho Mint and the Industrialization of Money, Richard Doty, London, 1998.

Falls Sie sich für die Soho Mint interessieren, besuchen Sie ihre Website!

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